Home
Aktuell-Ministerbrief zur Stundenkürzung in der GO

Aktuell-Ministerbrief zur Stundenkürzung in der GO

An den
Hessischen Kultusminister
Herrn Prof. Dr. A. Lorz
Luisenplatz 12
65185 Wiesbaden

 

Sehr geehrter Herr Staatsminister Prof. Dr. Lorz,

beinahe zeitgleich mit Ihrer Ankündigung mehr Stellen für die Ganztagsangebote in Hessen zur Verfügung zu stellen, erreichte die Schulen die Nachricht von den gekürzten Zuweisungsfaktoren für Berechnung der Lehrerversorgung.

Besonders hart trifft es die gymnasialen Oberstufen. Deren Zuweisung von Lehrerstunden für die Grundversorgung soll mit dem nächsten Schuljahr beginnend und in den darauf folgenden Jahren zusätzlich drastisch gekürzt werden, von bisher 1,737 Stunden pro Schüler auf 1,60165 in der E-Phase und auf 1,66020 Stunden in den Q-Phasen. In Prozenten ausgedrückt verlieren die Schulen in der Einführungsphase im kommenden Schuljahr 7,8% der Lehrerstunden, ab dem Schuljahr 2016/17 und erneut 2017/2018 jeweils weitere 4,4 % für die Qualifikationsphasen. Bei gleichmäßigen Jahrgangsbreiten in der Oberstufe führt dies letztlich ab 2017/18 zu einer verringerten Zuweisung gegenüber heute von -5,6%.

Die Landesregierung und auch das Kultusministerium haben in der Öffentlichkeit seit Beginn ihrer Amtszeit versprochen, an der Versorgung der hessischen Schulen mit Lehrerstellen (sog. 104-105% Zuweisung) werde nichts geändert, der Verbleib der „demographischen Rendite im System“ wurde als Erfolg gefeiert. Abgesehen davon, dass die 104 bzw. 105 prozentige Zuweisung schon immer eine „Mogelpackung“ war, weil sie verschleierte, dass die Schulen gleichzeitig beinahe alle Sonderzuweisungen verloren, mit denen sie vorher ihre Profile oder Förderschwerpunkte realisieren konnten (MINT-oder Musik-Schwerpunkt, Sozialpädagogische Unterstützung etc.) wird sie jetzt noch einmal konterkariert Wenn man die Berechnungsfaktoren wie geplant verändert, entsprechen die 104% nur noch einer realen Versorgung mit 98% der jetzigen Lehrerstunden. Die meisten unter den Schulleiterinnen und Schulleitern werden sich noch daran erinnern können, dass schon einmal ein Kultusminister 98% zu einer 100% Versorgung erklärte, sollen jetzt 98% sogar 104% entsprechen?

Begründet werden die Kürzungen mit zusätzlichen Stellen für die Bereiche Ganztagsschule, für den Sozialindex (obwohl auch hier den Gymnasien die Kürzungen für das kommende Schuljahr bereits angekündigt werden), Inklusion und Deutsch-Fördermaßnahmen.

Damit setzt sich fort, was bereits seit Beginn der Legislaturperiode auch in anderen Bereichen ablesen lässt: Alle zusätzlichen Herausforderungen im Bildungssystem werden ausschließlich zu Lasten der bestehenden Ressourcen organisiert. Das Kultusministerium schafft mit dieser Maßnahme, die die Schulen völlig unvorbereitet trifft, eine unproduktive Konkurrenz zwischen Reformnotwendigkeiten auf der einen und der Grundversorgung der Schulen auf der anderen Seite, die allen Beteuerungen über die hohe Bedeutung der Bildung in der Landespolitik Hohn spricht. Schulfrieden stellt man sich anders vor.

Wenn die Kürzungen in der gymnasialen Oberstufe begründet werden mit den im statistischen Mittel kleineren Kursen (im Vergleich zu was? zu den großen Mittelstufenklassen?) wird dabei völlig ignoriert, dass es in der Oberstufe ja auch um eine Profilierung und Spezialisierung geht, die zur Vorbereitung entsprechender Studiengänge unerlässlich ist. Die Kürzungen werden dazu führen, dass das Kursangebot deutlich eingeschränkt werden muss. Das wird vor allem das Angebot in den Fächern betreffen, in die sich erfahrungsgemäß nicht so viele Schülerinnen und Schüler einwählen: die naturwissenschaftlichen Fächer wie Physik, Chemie und Informatik und die sprachlichen Fächer Französisch, Spanisch, Italienisch und Latein.

Damit wird die Qualität des gymnasialen Angebots deutlich herabgesetzt, vor allem in ländlichen Regionen, in denen einzelne Schulen oft das einzige gymnasiale Angebot bereit halten müssen. Wenn hier Kürzungen vorgenommen werden, fallen Fächer ersatzlos aus.

Wir fordern Sie auf, sich für die Wiederherstellung des Vertrauens in die hessische Bildungspolitik einzusetzen und gemachte Versprechungen bezüglich der Lehrerversorgung nicht durch solche Faktorenveränderungen zu unterlaufen. Angesichts des zunehmenden Elternwunsches nach einem hohen Bildungsabschluss ihrer Kinder wird die angekündigte Zuweisungskürzung auch innerhalb der Elternschaft auf Protest stoßen.

Mit freundlichen Grüßen

M. Schmidt-Dietrich

Sprecherin des Landesvorstands

Bildungsfaktor Abitur.Hessen

Hinterlasse Sie einen Kommentar

*

*