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Standpunkte

Standpunkte

  • Ganztagsangebote

Der Aufbau einer flächendeckenden Ganztagsbetreuung ist eine notwendige Voraussetzung zur Realisierung des Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schulen. Nur diese ermöglicht die angestrebte Vereinbarkeit von Beruf und Familie ebenso wie die Übernahme von gesellschaftlichen Integrations- und Inklusionsaufgaben und die Verbesserung individueller Förderung im Unterricht.

So wichtig es ist, dass frühzeitig (also in Kindergarten und Grundschule) mit den Maßnahmen und Angeboten begonnen wird, so wenig kann es sein, dass die weiterführenden Schulen dabei außen vor gelassen werden. Die Konzentration der Weiterentwicklung des Ganztagsangebots auf die Grundschulen, wie aktuell beschlossen, birgt die Gefahr, dass nach der 4. Jahrgangsstufe ein Abbruch für die Schüler und Eltern erfolgt. Gerade in den wichtigen Jahren danach, wenn entscheidende Grundlagen für den langfristigen Schulerfolg / die Berufskarriere gelegt werden, müssen die Schulen (auch die Gymnasien!) der Ort sein, in dem Förderung, Zusatzangebote und Betreuung möglich sind.

Diese Forderung nach Kontinuität hat nicht die „Zwangsganztagsschule“ zum Ziel (was besonders im ländlichen Raum auf Widerstand bei der Elternschaft stößt), sondern die Schaffung eines für Schülerinnen und Schüler attraktiven Angebots, das ihren vielfältigen Ansprüchen und Bedürfnissen entspricht.

Dazu brauchen die weiterführenden Schulen sowohl finanzielle Mittel für das benötigte Raumprogramm und dessen Ausstattung (wobei hier auch Bundesmittel denkbar sind), als auch die Möglichkeit, mit einem Budget selbstständig für geeignetes Personal (z.B. für Aufsichten oder besondere AG-Angebote) zu sorgen. Aus diesem Grunde lautet unsere Forderung, nicht nur die bisherigen Mittel im Ganztagsbereich weiterhin zuzuweisen, sondern es auch wesentlich mehr weiterführenden Schulen zu ermöglichen, das Ganztagsprofil 2 bzw. 3 zu erwerben.

 

  • Zusammenarbeit Schulträger / Land

Die in vielen Bereichen künstlich erscheinende Trennung zwischen Landes- und Schulträgeraufgaben bereitet den Schulen vor Ort beträchtliche Schwierigkeiten, wie man z.B. an der Problematik „IT“ sieht. Im Spannungsfeld zwischen Anschaffungen für Verwaltungs- bzw. Unterrichtsaufgaben, in der Unterscheidung zwischen pädagogischem und technischem Support, in den Themen Medienkompetenz und Jugendschutz versus Informations-und Kommunikationstechnischer Grundbildung – immer besteht aus Sicht der Schulen ein erhöhter Aufwand, bis geklärt ist, wer gerade zuständig ist, und oft genug entsteht der Eindruck, dass beide Seiten sich jeweils der „Schwarzen Peter“ hin und herschieben und die Schule alleingelassen ist.

Landes-Gremien wie der Städtetag und andere Ansätze zur Verständigung zwischen Kommunen und Land führen aus unserer Sicht nicht weiter und enden oft genug im parteipolitischen Gezänk, wenn die politische Ausrichtung unterschiedlich ist. Auch vor Ort gibt es extreme Unterschiede in der Güte der Zusammenarbeit, so dass für die Schulen in Hessen keine vergleichbaren Bedingungen herrschen.

Darunter dürfen die Schulen nicht leiden! Eine Konzentration auf die Problemlagen, die uns alle gleichermaßen angehen, z.B. bei der Schulsozialarbeit oder der regionalen Schulentwicklung, ist unbedingt zu verwirklichen. Wir fordern daher langfristig eine Überwindung dieser künstlichen Trennung (wie es in anderen Ländern, z.B. in Schweden, verwirklicht ist). Bis dahin möchten wir die entsprechenden Gremien daran erinnern, sachbezogene Lösungen zu suchen, die für Schulen einfach zu handhaben und landesweit vergleichbar sind!

Als Zwischenschritt muss zumindest angestrebt werden, dass größere Teile der jeweiligen Budgets kompatibel sind, ohne dass der entsprechende Verwaltungsaufwand der jeweiligen anderen Seite die Schulen in der Ausführung knebelt.

 

  • Inklusion

Der Verpflichtung zur größtmöglichen Integration und Teilhabe an der Regelschule für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen ist eine gesellschaftliche Aufgabe und grundsätzlich zu unterstützen und zu fördern, falls die Eltern und die Schüler das möchten.

 

Allerdings fühlen sich die Schulen bei dieser Aufgabe nicht hinreichend unterstützt.

Das geht von den mangelnden Ressourcen der Schulträger für spezielle Ausstattungen über die ungeklärte Frage medizinischen Spezialwissens und ggf. Haftung bei Lehrkräften bis hin zu den absolut unzureichenden Stundenkontingenten von Lehrkräften, zugeordneten Förderschulkräften bzw. Sozialpädagogen.

 

Gerade die Gymnasien stehen vor einigen besonderen Herausforderungen:

Die Kollegien müssen durch Fortbildungen Fach- und Sachkompetenzen erwerben, da der Umgang mit behinderten Kindern in der Regel nicht zu ihrer Ausbildung gehörte. Erst in den letzten Jahren wurde dieses Thema auch Bestandteil der Ausbildung.

Die hohen Leistungsanforderungen sowie die teilweise auch von außen gesetzten Standards (Vergleichsarbeiten, Zentralabitur usw.) zwingen die Gymnasien zu einer zügigen und klaren Lernprogression.

Sowohl die behinderten Schüler selbst als auch ihre Mitschüler haben oft wenig Freiraum; der Zeitrahmen ist mitunter wenig flexibel, und zusätzliche Betreuung braucht immer Zeit.

Gerade Inklusion von geistig behinderten Kindern kommt da sehr schnell an seine Grenzen.

 

Die Struktur des Gymnasiums (z.B. das Fachlehrerprinzip mit zahlreichen Lehrern pro Schüler) erschwert Inklusion. Dieser Sachverhalt aber spiegelt sich nicht in einer Veränderung der Rahmenbedingungen des Gymnasiums wider, sind doch z.B. die Vorgaben für Klassenstärken oder die Pflichtstundenverordnungen unverändert geblieben.

Der Verweis auf die 104%-Versorgung greift dabei auch zu kurz, denn in der Summe reicht dies nicht für alles, was Schule damit ausstatten soll (Profilbildung, kleinere Klassen, besondere Projekte usw.). Hier wäre eine separate Bilanzierung angebracht.

 

Hinzu kommt, dass viele Gymnasien vor allem im städtischen Bereich auch von den Möglichkeiten der Gebäude und des schulischen Gesamtareals her sehr eingeschränkt sind, stimmen doch häufig weder Klassenräume noch andere architektonische Besonderheiten mit den Erfordernissen der Inklusion überein.

 

Die Gymnasien verschließen sich in keiner Weise der Inklusion und sie erkennen sehr deutlich an, dass Kinder mit Behinderung durchaus über sehr gute Möglichkeiten verfügen, den Lern-, Leistungs- und Entwicklungsansprüchen des Gymnasiums gerecht zu werden.

 

Grundsätzlich muss aber Berücksichtigung finden, dass mit der Inklusion eine große Herausforderung, ein notweniger Wandlungsprozess und vor allem ein deutlich erhöhter Mehraufwand für die Schulen verbunden sind.

Hier kann man nicht einfach eine Verordnung ändern, neue Vorgaben setzen und die Schulen zu einem solch großen zusätzlichen Tätigkeitsbereich verpflichten, ohne sie angemessen dafür auszustatten.

Und ein solcher Prozess benötigt angemessene Zeit und Begleitung sowie einen ehrlichen Umgang mit den Möglichkeiten und Grenzen aller Beteiligten (als der Lehrkräfte, der Eltern und der Schüler – aber auch der Schuladministration und der Schulträger).

 

  • Unterrichtsversorgung / Lehrerzuweisung

Die Zuweisung von Lehrerstunden über die reine Erfüllung der Stundentafel hinaus ist ein Schritt in die richtige Richtung, da sie deutlich macht, dass an Schulen über den klassischen Unterricht hinaus weitere Arbeit geleistet und zusätzliche Angebote gemacht werden (z.B. AG-Bereich, zusätzliche Fremdsprachen, Begabtenförderungen etc.). Ebenfalls wird deutlich, dass viele zusätzliche neue Aufgaben an die Schulen herangetragen wurden, die nicht ohne Anrechnung erfüllt werden können, z.B. im Bereich Schulentwicklung oder Inklusion.

Wenn sich Unterricht entsprechend neuerer Schulforschung und durchgeführter Evaluationsmaßnahmen verändern soll (kompetenzorientiert, individualisiert, schülerorientiert) werden über das Kerncurriculum hinausgehende Angebote für notwendig erachtet. Die muss in der Lehrerzuweisung dauerhaft berücksichtigt werden.

Schulen, die sich in der Vergangenheit für besondere Profile engagiert haben, (MINT-EC, Bili, Schule mit Schwerpunkt Musik usw.) geraten in ein Entscheidungsdilemma, das sie zwingt diese besonderen Profile gegen zusätzliche Förderangebote aufzurechnen. Eine nachhaltige Fortführung der Profile ist an zusätzliche Unterstützung gebunden.

Wichtig ist, dass die Zuweisung über die Grundunterrichtsversorgung hinaus in den nächsten Jahren im mindestens im gleichen Umfang Bestand hat. Gerade bei Profilbildungsmaßnahmen (s.o.) muss nachhaltig gearbeitet werden können.

Weiterhin muss sich die Berichtspflicht über die zusätzlich verausgabten Stunden auf ein bürokratisches Minimum beschränken und ist nur dann sinnvoll, wenn sie Grundlage einer qualifizierten Rückmeldung der Schulaufsicht wird.

Es wäre wünschenswert, wenn auch seitens des HKM in der Öffentlichkeit deutlich gemacht wird, dass die zusätzliche Zuweisung nur begrenzte Gestaltungsmöglichkeiten bietet.Gegenwärtig entsteht das falsche Bild, dass in den Schulen durch die zusätzliche Ressource alles möglich wäre.

Selbstständigkeit von Schule
Die anzustrebende zunehmende Selbstständigkeit von Schulen ist ein bundesweiter Trend, der sehr viel Sinn macht und langfristig weiter verfolgt werden sollte.

Grundsätzlich sind viele Entscheidungen bei der Schule vor Ort sinnvoll: die Einstellung passenden Personals, die Entscheidung über pädagogische Zielsetzungen und Profile ebenso wie die Verwaltung verschiedener Teilbudgets. Hier hat sich in den letzten Jahren auch viel zum Positiven verändert, wobei je nach Schulamtsbezirk große Unterschiede vorhanden sind. Auch hier wäre es wichtig, dass nicht der Zufall bzw. die jeweiligen Personen an den Schulämtern die Spielräume der Schulen bestimmen.

Langfristig muss langfristig versucht werden, die vom Schulgesetz vorgesehenen Spielräume zu erweitern und auch denjenigen Schulen, die bei der Verwaltung des Personalbudgets noch zögerlich sind, auf anderen Gebieten Entscheidungsmöglichkeiten zu gestatten. In Bezug auf die Mittelverwaltung sollte aber allen Schulen in Hessen gleiche verbindliche Rahmenbedingungen zur Verfügung gestellt werden, die auch die Einstellung speziell ausgebildeten, nichtpädagogischen Personals (z.B. aus dem kaufmännischen Bereich) ermöglicht.

  • Lehrerarbeit

Die Schulen haben in den letzten Jahren neben der Erteilung von Unterricht viele zusätzliche Aufgaben wahrnehmen müssen und wahrgenommen (vgl. Situationsbeschreibung „Gymnasialer Bildungsgang heute), die weiterreichende und andere Kompetenzen und Arbeitsabläufe erfordern. Noch immer aber wird die Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer nach der Pflichtstundenverordnung geregelt, eine Verordnung die der alltäglichen Tätigkeit der Lehrerinnen und Lehrer (Beratung, Diagnostik, individuelle Förderung, aber auch Management etc.) nicht mehr gerecht wird.

Solange man jedoch nicht zu einer Neuberechnung der Lehrerarbeitszeit gelangt, die den realen Belastungen und zeitintensiven Aufgaben außerhalb von Unterricht und Korrekturen gerecht wird, muss durch eine Ausweitung der Schuldeputate den Schulen die Möglichkeit eingeräumt werden, diese Aufgaben in besonderer Weise zu entlasten. Es ist offenkundig, dass die Mehrzahl der Kolleginnen und Kollegen trotz allen Engagements den zunehmenden Ansprüchen kaum gerecht werden kann, eine Verwaltung des Mangels schafft keine Voraussetzungen zur Bewältigung neuer Herausforderungen.